9. Mai 1801
Der Mietkutscher König in Hamburg wird von einen anderen Kutscher, namens Johann Hinrich Klann bestohlen. Das Diebesgut sind Bargeld und eine Uhr. König verfolgt diesen bis Kastorf, wo er den Dieb dingfest machen kann. Inspektor Körtje sogt dafür, dass der Dieb beim Bauernvogt Wegner inhaftiert wird. Zeugen: Claus Steffen und Thomas Schröder
GAKA Nr. 40/No. 6


Sandesnebener Kirche im 1900

Hochzeit ohne Musik

Am 4. Oktober 1805 geben sich die aus Kastorf stammende Margarethe Dorothea Asmus und der Knecht Claus Hinrich Marnitz, beide auf dem Steinhorster Hof unter Herrn Kraft dienend, in der Sandesnebener Kirche das Ja-Wort. Die Hochzeitsfeier soll traditionsgemäß von der Brautfamilie im Hause des Brautvaters in Kastorf ausgerichtet werden, doch der Schwiegervater Gotthard Asmus besteht darauf, dass diese ohne Musik stattfinden soll.

So begibt sich die Hochzeitsgesellschaft am Hochzeitstag mit Musikanten an der Spitze des Zuges von Sandesneben über dieverse Dorfkrüge letztendlich "ziemlich besoffen" nach Kastorf zu Asmus. Der alte Weber Gotthard Asmus bewillkommt die eintreffenden Gäste, weisst aber darauf hin, dass die Musikanten ihm nicht über die Schwelle kämen. Die ganze Gesellschaft "schilt und tobt" und geht wieder davon. Manitz geht ihnen nach und versucht sie zu Umkehr zu bewegen, doch ohne Musik! "Die erhitzte Gesellschaft bricht aber in lauten Schimpfreden und Schmähungen gegen ihn aus, schilt auf die lausigen Kastorfer welche kein Geld hätten mit dem hinzufügen, daß die Steinhorster Geld hätten und für ihr eigen Geld zechen und Musik machen könnten und einer Johann Koop [aus Sandesneben] packt ihn an, stößt ihn zur Erde, ergreift ihn bei den Beinen und wirft ihn nach einigen Umwelzungen in eine Dornhecke, von deren Verletzung im Gesicht die Schrammen vorgewiesen sind, worauf die Gesellschaft nach einem hiesigen Kruge geht und dort zechend auf den Bruder neuverehelichten, den der Vater hinschickt, aus dem Hause hinausjagt: der Sohn Hinrich Asmus fügte diesem noch hinzu, daß nach dem die Gesellschaft nach Claus Meyer [dem Krug] gegangen  wohin er ihnen gefolgt sey, und sich hinter den Tisch gesetzt habe, habe Koop von ihm verlangt, daß er tanzen oder das Haus verlassen solle, wobey er ihn unter das Kinn gestoßen, er sey darauf weggegangen.

Die Beteiligten werden vom Kastorfer Gericht zu den Vorfällen befragt. So auch Frantz Friedrich Blöcker, Vogt auf dem Steinhorster Hof, Thomas Wulff, Einwohner in Steinhorst, Gottfried Siggelmann, Musikant und Einwohner in Schiphorst und Asmus Schwiegersohn Johann Schmidt, Tagelöhner in Siebenbäumen, die wie auch schon Koop aussagen, dass der alte Asmus ihnen zweimal nachgelaufen sei und den Vogten Blöcker selbst anfaßte, um ihn zur Rückkehr zu bewegen, so dass Koop diesem zur Hilfe kam und den Asmus wegstieß. An Beschimpfungen konnte sich keiner erinnern.

Das Kastorfer Gericht entscheidet zu Gunsten des Klägers Asmus und bestimmt, das der Schwiegersohn Marnitz 4 Rthl. an Entschädigung an den alten Asmus zahlen muss, wegen des Ausbleibens der Hochzeitsgäste. Johann Koop wird mit einen Tag Gefängnis bestraft und die übrigen Hochzeitsgäste wegen ihres ungebührlichen Verhaltens ermahnt. Koop wird sofort arrestiert und Marnitz zahlt seine Strafe. So geschehen Kastorf den 14. Oktober 1805.




1806: Dem Siebenbäumer Pastor Müller werden zwei Pferde gestohlen. Der Verdacht fällt auf den Kastorfer Franz Bentin, den man daraufhin verhaftet und ins Oldesloer Gefängnis überstellt. Dort erhängt dieser sich in seiner Zelle. Doch der Beweis des Diebstahls kann nicht erbracht werden.
GAKA Nr. 40/No. 8

1808: Hofstellen werden in Erbpacht gegeben

Am 12. Juli werden die Kastorfer Hofstellen  in Erbpacht umgewandelt (s. dazu auch Verkoppelung). Das ist im Vergleich mit den benachbarten Lauenburgischen Ämtern spät. Die Bauern (Hufner und Kätner) sind nun Eigentümer ihrer Hofstellen und müssen nun halbjährlich (auf Martini  und auf Maitag) den sogenannten Erbenzins entrichten. Für die Kätner wird ein jährlicher Zins von 20 Talern Lübsch Courant festgelegt. Die Hofdienste entfallen (s. GA KA Nr. 98 Dienstregister der Untertanen 1802-1830).


Am 24. Oktober 1808 zeigt der Verwalter Luhmann beim Kastorfer Gericht an, dass Bauholz auf dem Gut entwendet wurde. Es wird beim Tagelöhner Jochen Nicolaus Martens gefunden. Dieser gesteht und sagt aus, er hätte das Holz zu Bettstellen gebrauchen wollen. Er wird vom Kastorfer Gericht zu zwei Stunden am Pfahl verurteilt.
GAKA Nr. 40

 s.a. Franzosentied 1808-1815

Kastorf von Christianshöhe aus gesehen
Zeichnung von Christian Morgenstern 1822, links vermutlich die Kate des Töpfers Koltze



1812: Kastorf hat sogar einen Nachtwächter namens Wellmann. 1824 ist es Wehde.


Kutsche
                  1820

1816 ist ein Diener namens Andres Schuwaloff aus St. Petersburg auf der Durchreise nach England vorm Kastorfer Gericht.

GA KA  Nr. 41

1818 in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli wird beim Bauernvogten Wegner gestohlen. Verdächtigt wird Friedrich Grote.

GA KA  Nr. 41

1826 brennt der Bentinsche Katen (da es aber zu dieser Zeit zwei Kätner namens Bentin in Kastorf gibt, ist leider nicht zu sagen welcher).

1828: Untersuchung wider den Dienstknecht Johann Christen aus Grinau wegen Holz- und Eggendiebstahls auf dem Kastorfer Feld.

GAKA Nr. 48

Schon ab 1831 hat Kastorf einen Tierarzt. Ludwig Gerd Heinsen ist aber auch gleichzeitig Kätner und bis 1866 nachweisbar.

Grenzstein von 1842 am Ortsausgang Richtung Klinkrade "ADELICHE CASTORF"

1846 findet der Bauernvogt Grot in einer Mergelgrube die entkleidete Leiche des Kastorfer Töpfers Carl Kolze. Das Kastorfer Gericht ermittelt in diesem Todesfall.

GA KA Nr. 54

Koltze, Carl * ?, † 1846,
Töpfer 1837/1846 KA Siebenb. Nr. 38
∞ ? NN, X *?, † ?
K.:    Caroline *(1823) konf. 1837


1851: Schleswig-Holsteinische Anzeigen

Dienstag den 27sten Mai.
19. Terminus zur De- und Gegendeduction in Sachen der Ehefrau M. M. C. Koop, geb. Lessau, c. c. m. zu Castorf, Justificantin, Producentin und Delatin, wider die Wittwe A. C. Lessau, geb. Ahlers, c. c. zu Tangstedt, Justificatin, Productin und Deferentin, ppltr. in pcto. justificat des sub passu 1 auf das Proclam vom 4ten Octbr. 1847 über einen Lübecker Stadtkassebrief beschafften professi, s. w. b. a., ineident. Beweisführung.      (dto. den 9.12. zum 36. Term.)

Koop, Heinr. * (1807) Klinkrade, † ?
V: Joh. Joch. Anbauer u. Musikant in Klinkrade
Kätner 1845, Musikant, übernimmt von Joh. Leßau
∞ Siebb. 1830 Leßau, Cath. Maria * (1806) Kastorf, † ?
K.:   
    Hans     *(1831)
    Maria    *(1835)
    Heinr.    *(1837)
    Joch.    *(1841)
    Joh.    *(1844)



Inhaftierung und Bestrafung des Schlossergesellen Fritz Carl Jacob Jahnke aus Hamburg wegen Vagabundierens  1841-1843
GA Ka Nr. 51

Untersuchung des Todes der in einer Wasserkuhle in einem Garten ertrunkenen Tochter des Kleinkäthners Josef Benthien, Kastorf  1844
GA Ka Nr. 52
Untersuchung gegen den in Kastorf inhaftierten Hutmachergesellen Gallinat aus Königsberg wegen ungebührlichen Betragens  1846-1847
GA Ka Nr. 55

Untersuchung der Todesart der im Wasser gefundenen Wittwe Jessen aus Kastorf  1849-1850
GA Ka Nr. 57

Elisabeth Wulf aus Berkenthin ./. David Krieger zu Kastorf wegen Alimente 1857
LAS Abt. 239.8 Nr. 10

Preußisch- österreichischer Einmarsch

1848 versucht eine Schleswig-Holsteinische Armee, ein eigenständiges deutsches Fürstentum im Norden des Reiches zu erkämpfen. Bis 1851 besteht diese Armee. Doch die Dänen behalten im europäischen Ränkespiel zunächst noch die Oberhand.

Preußen und Österreich vereinigen ihre Streitkräfte und marschieren 1864 gen Norden. In Eile lässt der dänische König im Lauenburgischen Söldner für sich anwerben und ausheben. Vermutlich waren auch einzelne Kastorfer unter ihnen. Doch bei Rückzug dieser Truppen in die Plöner Gegend laufen die meisten davon, weil sie unfreiwillig sind, für die Sache eines dänischen Königs zu kämpfen. Nur manche Unteroffiziere sind gut dänisch gesonnen und werden so zu Teilhabern der dänischen Niederlage bei den Düppeler Schanzen, wo am 18. April 1864 Truppen des preußischen Prinzen Friedrich Karl einen entscheidenden Sieg erringen. 1865 im September wird König Wilhelm I. zum Herzog von Lauenburg ausgerufen und Kastorf durch ihn preußisch. Dabei bleibt es, bis ein Kontrollratsgesetz der Sieger des zweiten Weltkriegs Preußen am 25. Februar 1947 für aufgelöst erklärt.





1854 klagen die vier Kastorfer Halbhufner Bauernvogt Grot, Johann Meyer, Jürgen Martens und Heinrich Seemann gegen den Halbhufner und Kirchenjuraten Heinrich Benthien wegen Diensten und Naturallieferungen an die Siebenbäumer Kirche.
KA Siebenbäumen Nr. 58




Kartenausschnitt von ca. 1850


Die Jahre 1857 bis 1860 sind besonders regenreich.

1870/1871: Deutsch-Französischer-Krieg

Kastorfer die am Krieg teilnehmen:
Fick, Johann
Isernhagen, Fritz
Pein, Johann

Jäger J[ohann]. F[riedrich]. P[eter]. Voß aus Kastorf,  † bei Chantraine 21.02.1871
2. Komp., Lauenb. Jägerbataillon Nr. 9
Verstorben an einer am 18.08.1870 bei Gravelotte erhaltenen Verwundung: Schuß in die rechte Lende 


Am 27. August 1877 ist der Gutsbesitzer vor dem Amtsgericht Steinhorst persönlich dabei, als für zwölf Kastorfer „Beteiligte“ das bisherige Erbzinsrecht gegen eine kleine ablösbare Rente nach neuer Gesetzgebung umgewandelt wird. Ihr Besitz ist künftig ihr freies Eigentum. Carl Koltze, Johann Fick und Franz Heinrich Grell nehmen bei der Amtshandlung gleichberechtigt neben Stolterfoht Platz, was zuvor undenkbar gewesen wäre.


1885 wird das Dorf vom Gut getrennt und wird eine eigenständige Gemeinde.


1889: neue Amtsbezirke

Mit der Kreisordnung von 1888 werden 23 Amtsbezirke im Herzogtum Lauenburg festgelegt, deren Bildung mit Wirkung vom 1. Oktober 1889 in Kraft tritt. Kastorf wird dem Amtsbezirk Bliestorf zugeordnet.

1. Anker 13. Lütau
2. Basthorst 14. Mustin
3. Berkenthin 15. Pötrau
4. Bliestorf 16. Sandesneben
5. Breitenfelde 17. St. Georgsberg
6. Duvensee 18. Seedorf
7. Friedrichsruh 19. Schwarzenbek
8. Gudow 20. Steinhorst
9. Gülzow 21. Sterley
10. Hohenhorn 22. Tüschenbek
11. Koberg 23. Wotersen
12. Lassahn





   
Siegel und Schild am Kastorfer Krug des Amtes Bliestorf


Das Dorf besteht 1891 aus 5 Halbhufnern, 10 Großkätnern, 4 Kleinkätnern und 10 Anbauerstellen.